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DEAD END SPACE - Distortion of Senses

 

Tracklist:

1. Distortion of Senses

2. Drama Fields

3. Hundred Years of Dust

4. Breathe In Breathe Out

5. The LIghtworkers

6. Confessions - Tape 1

7. Obsessed

8. Phantom Death

9. Last Outpost

10. Time Flies

11. Free Lost Angels

Release Date:  24.05.2013 - Alienation Records

 

In meinem Review zum letzten Album „Magnetic Force“ deutete ich noch an, daß der Name „Johnny Engström Band“ einen nicht unerheblichen Projektcharakter besitzt. Ich weiß nicht, ob dies der ausschlaggebende Punkt war, aber richtigerweise hat sich die Band umbenannt und nennt sich nun „Dead End Space“. Und als richtige musikalische Einheit will das progressive Trio auch verstanden werden. Nichts leichter als das, wenn man ein neues Album präsentieren kann, welches diesen Einheitsgedanken unterstreicht.

„Magnetic Force“ war schon ein fantastisches Album mit leichten Abstrichen im Bezug auf den Sound. Interessant zu sehen, ob man mit dem neuen Album diesen Weg konsequent verfolgt oder ob sich spürbare Veränderungen in das Schaffen der Band eingeschlichen haben.

Das neue Album trägt den bedeutungsschwangeren Titel „Distortion of Senses“ und auch das mystische Coverartwork, für welches erneut Thomas Holmstrand veranwortlich zeichnet, rückt die Band in die Nähe der höchst qualifizierten ProgActs unserer Zeit.

Wie auch schon im Interview mit Metal Fields angedeutet, schlägt man laut Bandkopf Johnny Engström lyrisch etwas andere Töne an, als noch bei „Magnetic Force“, mit dessen sphärigem, spacigem Grundkonzept.

Natürlich wird man auch diesmal wieder erneut vor die Frage gestellt: „Ist alles echt, oder doch nur Fantasie oder Einbildung ?“ Der Stoff aus dem progressive Highlights entstehen....

Um mitzuteilen, um was es hier geht, setzt man den Titeltrack gewohnterweise an den Anfang. Sphärige Töne steigern sich langsam bis man mit einem harten Riff einsteigt. Die Vocals von Johnny haben keinen Deut von ihrer Ausdruckskraft verloren. Und nach wie vor schimmert hier Geddy Lee durch, dessen absolute Klasse er natürlich niemals erreichen kann, aber doch ein Stück weit nahe kommt. Teilweise wirkt der Song bewußt zerfahren und verstörend, progressiv eben. Tolle Synthie-Elemente gepaart mit akkustischen Gitarren verleihen diverse Neo-Prog Elemente. Gegen Ende nimmt die Gänsehaut zu, wenn die Band in träumerische Phasen übergeht, nur um diese kurze Zeit später durch ein recht metallisches Solo zu zerstören. Ein Song, wie er von ganz frühen Rush stammen könnte, in moderneren Sound gepackt. Ein Traum von einem Song, die Sinne verzerrend.

Noch näher an Rush der Frühzeit ist das folgende „Drama Fields“ zu Hause. Erdige Gitarrenarbeit und ein eingängiger Refrain bilden die Essenz des Songs. Die Band „spielt“ mit verschiedenartigen Soundelementen (Echos, gegenläufige Instrumente) und hält somit den Abwechslungsreichtum hoch. Teilweise kommt der Titel etwas disharmonisch her. Dies gehört aber wohl zum Drama und hat somit seine Berechtigung. Ein genretypischer Gitarrenpart, wie man ihn zum Beispiel auch von den Neo-Prog Göttern IQ kennt, rundet das Schauspiel mit ruhigerem Gesang ab.

Verängstigendes Intro und ein akkustischer Gitarrenpart lassen Unheilvolles erahnen. Entsprechend düster ist die Grundausrichtung von „Hundred Years of Dust“. Schnellere Parts wechseln ständig mit langsameren ab, Eingängigkeit erhält der Song duch seinen tollen Refrain. „Voices whisper, demons appear before my eyes“.....es spielt sich alles im Gehirn ab. Somit auch düstere Gedanken von hundert Jahren des Staubs. Die Soundcollagen malen Bilder unterschiedlichster Coleur in des Zuhörers Vorstellungskraft. Unheimlich, desorientiert....genial !!

Ein- und Ausatmen nicht vergessen ! „Breathe in Breathe out“ beginnt mit spartanischer Akkustikgitarre. Die folgenden fast 10 Minuten sind ein Lehrbeispiel progressiver Musikkunst. Background Gesänge verleihen fröhlichere Stimmungen und auch Johnny's Sologesang zielt auf positivere Vibes ab, als noch im Song zuvor. Zusammen mit den fast durchgängigen backing keyboards ergibt sich ein klangvolles, Laune verbreitendes Gesamtbild, zumindest bis zur Hälfte des Songs, wenn ein disharmonischer, jazziger Instrumentalpart die Stimmung verfremdet. Songwriting der allerfeinsten Extraklasse. Dies kann den Hörer überfordern, wenn man sich nicht auf die Klangwelten von Dead End Space einlässt. Leute, dies hier ist Kunst !!

Mit „The Lightworkers“ kehrt das Licht in die Gedanken zurück. Oder ist es nur vorgetäuscht ?Zumindest beginnt der Song mit starker Keyboardwand und balladesken, akkustisch unterstützten vocals. Der Song erhebt sich im Laufe der Lichtstrecke zu monumentalem Breitwand Kopfkino mit verzauberndem Refrain, eingebettet in gegenläufiger, sowie verspielter Gitarrenarbeit. Zum Ende hin überrascht ein Part inklusive Synthies, wie man es von den deutschen Eloy kennt. Sehr ausdrucksstarker Song. „The light of the day has arrived again....“ - jawoll !

 Danach ertönt ein knapp 1 minütiges Zwischenspiel namens „Confessions – Tape 1“. Dies besteht nur aus kurz angetippter Gitarre und einer gesprochenen Message. Gehört wohl zum Gesamtkonzept.

 Mit „Obsessed“ folgt ein härterer, mit 3 Minuten recht kurzer Song. Hartes Gitarren Riffing unterstützt von kinoartigen background keyboards und einem Johnny, der schon fast schreit. Straight und konfus.

 Auch bei „Phantom Death“ basiert man auf einer erheblichen Grundhärte. Passend zur Lyrik, welche eine leichte Horror-Thematik versprüht. Dementsprechend geht bei diesem Song gitarrentechnisch eher die Post ab....eher Metal als progressive. Guitars do the talking ! Aber, wie es sich für eine Top Progressive Rock Band gehört, mit äußerstem Abwechslungsreichtum gesegnet, passen auch diese härteren Klänge hervorragend in den Kontext extraordinären musikalischen Schaffens.

 „Last Outpost“ bringt uns dagegen zurück in träumerischere Sphären. Balladeske Neo-Prog Töne plätschern unterstützt von der halbakkustischen Gitarre leicht und locker vor sich hin. Vier Minuten, um sich entspannt zurückzulehnen und zu geniessen. Folgt man den Lyrics, so hat der Protagonist allerdings das Licht wieder verloren.

 Die Zeit rennt....das wissen wir. „Time Flies“ führt den Zuhörer zurück in die ganz große Progressive Rock Kunst. Spannender Songaufbau, mit engelsgleichen backings versehene ruhigere Parts, welche in aggressivere Momente führen. Erneut ein Klasse-Refrain ! Die Elegien der fliessenden Zeit lassen den Vokalisten leiden und die Musiker in fantastischen, gitarrenorientierten Klangbildern eintauchen. Immer wieder wird das Tempo zurückgenommen um dem Refrain genügend Zeit zur Entfaltung zu geben. Besser geht’s in diesem Genre eigentlich nicht mehr !

 Am Ende wird, wie so oft, alles gut...oder doch nicht ? Wunderschöne Klänge lassen schon zu Beginn von „Free Lost Angels“ die verlorenen Engel befreien. Verträumte Vocals untermalt von klanglicher Schönheit lassen das Herz und die Gedanken erleichtern. Verwirrte Gedanken, in welchen man vorher gefangen war....jetzt vom Tageslicht erhellt. Aber bedeutet dies wirklich nun ewige Freiheit ? Fröhlichkeit und chorartige Gesänge lassen zum Abschluß dieses Resümee zu. Träumen darf erlaubt sein...

 Mit „Distortion of Senses“ ist Dead End Space ein Meisterwerk progressiver Schaffenskunst gelungen. Ein monumentales, äußerst facettenreiches Album, welches dem Hörer alle Aufmerksamkeit abverlangt. Man muß sich auf die Musik definitv einlassen, um diese in vollen Zügen geniessen zu können. Dieses Album zeigt, welch Schönheit doch in Musik stecken kann, welch Bilder man doch mit Musik malen kann. Ein echtes Progessive Rock Highlight.

Die manchmal auftretende stilistisch offensichtilche Ähnlichkeit zu frühen Rush kosten im Endeffekt die Höchstpunktzahl. Aber stören tut dies beileibe nicht !! Als Progfan muss man dieses Album gehört haben, bzw. besitzen.

 Punkte: 9,5 / 10

 Review by Kerbinator

 

 

 

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