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HELLHEAD - Hellhead

Wilhelmshaven, Ostfriesland, Nordsee...bei diesen Schlagworten denkt man musikalisch unweigerlich an diverse Shanti-Chöre, Akkordeons, Möwengesang und eventuell noch an die Blödels von Klaus und Klaus. Daß in dieser (zugegebenermaßen tollen) Gegend ordentlich gerockt werden könnte, kommt dabei wohl den Wenigsten in den Sinn.

Und doch gibt es eine recht starke Untergrundszene mit einigen empfehlenswerten Bands, darunter Hellhead (wieso ist nicht vorher schon mal jemand auf diesen Namen gekommen ?), deren durchaus professionelles, von Jörg Uken produziertes (Demo-?)Album jetzt vorliegt.

Die Songs kommen direkt auf den Punkt, sind stilistisch schwer einzuordnen. Auf der Basis von deutsch-punkiger Schnelligkeit und Einfachheit stehen im Gegensatz melodisch-harmonische Gitarrenparts und Soli, welche dem Liedgut deutlich gut tun und die Songs erheblich aufwerten. Die Texte und Refrains sind hauptsächlich in deutsch gehalten, so daß ich hier schon wieder Einige Tote Hosen oder Onkelz schreien höre. Nein...die Mucke ist weit vom Plagiat dieser polarisierenden Szenegrößen entfernt. Man atmet förmlich die frische Brise, die Hellhead heraufbeschwören, von See kommend ein und ertappt sich unlängst beim Mitsingen. Denn dies ist eine große Stärke des friesischen Vierers, mitsingbare Songs zu schreiben, die unweigerlich im Ohr bleiben und der Landschaft geschuldet herb aber unglaublich sympathisch rüberkommen.

Dies beginnt bereits mit dem Opener „Als ich war jünger“, der pure Lebensfreude ausstrahlt und bei dessen Refrain man zuerst geneigt ist, zu grinsen bevor man feststellt, daß sich der Song hervorragend zum Heben des Glases gefüllt mit Friesisch Herbem eignet.

Ganz bierernst nimmt sich die Band nicht. So vereint man die englische Refrain-Zeile „Far Away“ mit deutsch-melancholischen Heimweh-Texten. Des Seefahrer's Los, wobei man nicht nur weit von zu Hause, sondern auch von sich selbst weg ist. Musikalisch ein lupenreiner Punk'n Roller, der ohne große Ausschweife nach oben oder unten straight durch die Dünen zieht.

Mit Möwengesang beginnt danach „Boom Boom“, so etwas wie der erste Hit von Hellhead. Hat man doch zu diesem Song ein famoses Video abgedreht. Die Gitarren braten fett den blanken Hans entlang, toller mehrstimmiger Refrain. Nach langen Fahrten auf hoher See ist endlich Land in Sicht. So müssen Seefahrer-Hymnen klingen.

Im punkigen Drei-Akkord-Rhythmus geht’s weiter mit „Rose“. Schneller, zackiger 2-Minüter, mit kurzem, melodischem Gitarrensolo. Lyrisch eine Abhandlung darüber, als man noch die Könige der Welt war. Sehr einfach gestrickter, auf den Punkt kommender Song.

Ganz anders dagegen „Herbst“. Das Gaspedal wird fast gänzlich zurückgenommen. Dem Songtitel entsprechend herrscht hier Melancholie, Schwermut und Hoffnung auf freundlichere Tage. Sehr basslastig entwickelt sich der Song zu einem langsamen Rocker, ja fast schon zu einem Stoner Rock Song. Zwar ohne Wüstenstaub, dafür mit reichlich weißem Küstensand.

Der Track zeigt eindeutig, daß man Hellhead nicht auf eine gewisse Stilrichtung reduzieren kann und sollte. Die Band spielt das, was einem selbst gefällt und man der Stimmung passend für richtig hält. Klasse auch das einfache, aber geniale Gitarrenlick zum Schluß. Genug getan für dieses Jahr ? Bei Weitem nicht, weiter geht’s...

Mit einer kleinen Erlkönig-Hommage beginnend lässt dich dann „Kleines Herz“ wieder Kiel holen. Schnelle, motörheadlastige Abfahrt mit Heia-Ho-Chören garniert. Teilweise rumpelig und dann doch wieder technisch versiert. Man merkt auch bei diesem Song, daß der Gitarrist mehr im Metal als im Punk verwurzelt ist und dies bringt nicht zuletzt eine besondere Note in die Songs der Nordlichter.

 

 

 

Tracklist:

  1. Als ich war jünger
  2. Far Away
  3. Boom Boom
  4. Rose
  5. Herbst
  6. Kleines Herz
  7. Migrantenlied
  8. St. Anthonius
  9. Hellhead
  10. Strandgut
  11. Place to Hide

Release Date:  2013

Label:  Self-Released


Punkte:  8 / 10

Review by Kerbinator


Website: 

http://www.hellhead.de/


 

 

 

Fröhlich galoppiert danach das „Migrantenlied“ vor sich hin. Sehr gitarrenlastiger Song und mit knapp über 2 Minuten natürlich recht flott interpretiert. Happy Melodieführung trifft ernsteren Hintergrund.

Schwer verdaulicher dagegen „St. Anthonius“. Der Song kommt sowohl textlich als auch musikalisch etwas chaotisch rüber, obwohl man mit der ein oder anderen netten Melodie punkten kann. Irgendwie hat sich mir nicht wirklich erschlossen, was man mit dem Lied sagen will. Eine Stufe für...eine Stufe ? Hm...na ja. Muß ich die Jungs demnächst mal fragen. Im Groben liegt dieser Song am ehesten in alten Deutsch-Punk Zeiten verwurzelt.

Das folgende, den Bandnamen erklärende „Hellhead“ sprüht dagegen wieder vor Spielfreude und musikalischem Witz. Im Refrain (?) wird quasi das Wort Hellhead auf englisch buchstabiert. Schnelle Mischung aus Punk'n Roll mit Strassenrocker-Qualitäten. Der Song wird als Gassenhauer auf den Bühnen funktionieren. Als nichts anderes muß ein Song, welcher den Bandnamen trägt, überzeugen. Und dies tut er.

Zurück in Zeiten von Piraterie und Seemannsgarn wird das „Strandgut“ angeschwemmt. Ein weiterer schleppender Song mit teilweise verzerrten Vocals. Auch hier scheint die ein oder andere Stoner Rock Kapelle heraus. Der Titel basiert auf einem coolen, knarzenden Riff....man hört die Planken quasi knacken. Alles wirkt bewusst unsauber gespielt, schafft aber somit eine gewollt nebelschwadige Atmosphäre.

Zu guter Letzt lassen Hellhead mit „Place to Head“ noch mal einen mötörhead-lastigen Banger vom Stapel. Von den Drums unaufhörlich nach vorne gepeitscht, überholen sich die Gitarrenparts fast selbst. Bangen, Bangen und laut schrei'n, heißt es dann auch sinngemäß im Wortlaut und dem ist nichts hinzuzufügen.

Hellhead zeigen, daß man an der Küste die Gezeiten auch mit harten Klängen begehen kann. Mit einer old-schooligen Punk-Attitüde versehen, welche das eigentliche Grundgerüst des Sounds der Band bildet, lassen sich dennoch verschiedenste Einflüsse auf dem Rock-/Metalbereich ausmachen, welche gerade im Gitarrenbereich für wohltuende Abwechslung sorgen. Die Musik funktioniert sicherlich auch hervorragend auf der Bühne, bei der man zu Jever + Korn seine vom Seewind abgekühlten Knochen erwärmen kann. Sind die Aktivitäten der Band noch regional begrenzt, wird die Zeit zeigen, ob man zukünftig auch andere Landstriche beackern kann. Zumindest hat man mit diesem Album ein fettes Ausrufezeichen in das platte Land gesetzt. Ahoi !!

 


 

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