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MAYFAIR - Schlage , mein Herz, Schlage...

Nach dem letzten Release von 1998 („Fastest Trip to Cyber Town“) wurde es still um die österreichischen Avantgarde-Metaller von Mayfair. Die beiden bisher erschienen Fulltime-Alben gelten als Perlen des Underground dieses musikalischen Genres und lassen Fans auch heute noch mit der Zunge schnalzen, wenn von Mayfair die Rede ist.

Jetzt, eine halbe Unendlichkeit später, hat man sich in verändertem Line Up (Gitarrist Rene und Sänger Mario sind von damals noch dabei) entschlossen, ein Album nachzulegen, da der Weg von Mayfair noch nicht abgeschlossen sei. So der O-Ton der Musiker.

Das neue Werk nennt sich „Schlage mein Herz, Schlage“ und knüpft im Prinzip nahtlos dort an, wo man Ende der 90er aufgehört hat...

Der das Album eröffnende Titeltrack legt relativ gitarrenbetont los. Mario's avantgardistisch-waviger Gesang wechselt mal zwischen klaren Passagen und dem Wahnsinn nahen Aggressionen. Alles in allem ein recht straighter Song, mit den zu erwartenden elektronischen Soundaspekten. Der Song könnte durchaus die hiesigen Tanzflächen aufmischen. Sehr eigenwillig mit hohem Wiedererkennungswert.

Mayfair wechseln desöfteren von der deutschen in die englische Sprache. So folgt mit „Firestorm“ zum ersten Mal ein englischer Titel. Ruhige Klänge bauen den Song langsam auf, der Refrain allerdings steigert sich zu rabiatem Kreischgesang. Ein Wechselbad der Gefühle, der Ausdruck unterschiedlichster Emotionen – am ehesten zu vergleichen mit einem dramatischen Theaterstück.

Mit „wwwrong“ geht es englischsprachig weiter. Progressiv, sphärische Klangbilder werden in langsamerem Tempo gemalt. Zwischendurch immer mal wieder ein aggressiver Schrei Mario's.

Der Song wirkt durch seine Instrumentierung verstörend und depressiv. In der Schlussminute nimmt

man etwas Fahrt auf und der Gesang erinnert hier kurz sogar an Geddy Lee.

Als nächstes geht es „Drei Jahre zurück“. Melancholisch balladeske Vertonung der eigenen Vergangenheit, einer verlorenen Liebe, der verlorenen Zeit. In der Bridge zum Refrain braten die Gitarren fett, auf der anderen Seite überrascht der Song mit einem längeren Part des gesprochenen Wortes. Beeindruckend gut !

Mit „Abenp_rno“ folgt ein sehr straightes Stück mit prägnantem Refrain, Screams in selbigem und einem ruhigen Zwischenpart. Eingängiges Lied.

So klar und doch so fern...das wunderschöne, melancholisch angehauchte, Sehnsucht erzeugende „Island“ glänzt mit progressiven, ruhigeren Klängen und dem Wechsel von deutschem Gesang (Songaufbau) zu englischem (Refrain). Sphärisch verquere Soundsequenzen tun ihr Übriges, um dem Song eine gewisse Mystik zu verleihen. „Lass mich hier auf dem Boden liegen, die Kälte tut mir gut....“, jawoll !!

Erneut in rockigere Gefielde begibt man sich mit „Du allein“. Bei aller Straightness sind es die durch die Gitarre erzeugten Klangfarben, die dem Song ein besonderes Flair verleihen und trotz relativ einfach gestricktem Songwriting eine gewisse Epik ausstrahlen.

 

Tracklist:

  1. Schlage, mein Herz, schlage...
  2. Firestorm
  3. Wwwrong
  4. Drei Jahre zurück
  5. Abendp_rno
  6. Island
  7. Du allein
  8. Tric Trac
  9. Bitter or Sweet
  10. Der Abschied

Release Date:  08 November 2013

Label:  Pure Steel Records


Punkte:  9 / 10

Review by Kerbinator


Website: 

http://www.mayfairbrigade.com/


 

„Tric Trac“ wandert danach deutlich in Neo-Prog Pfaden und würde auch einer Band wie Porcupine Tree gut zu Gesicht stehen. Interessant sind die Wah-Wah Gitrarrenparts am Schluss, die den mit nicht mal 3 Minuten recht kurzen Song etwas aus der Progressiv Rock-Masse abheben.

Metallisches Gitarren-Riffing eröffnet „Bitter or Sweet“. Die Basis dieses Songs sind recht düstere Songstrukturen, etwaige Doom-Anleihen sind zu erkennen. Es wabert schwer und fast schon diabolisch aus den Boxen. Ein erheblicher Kontrast zu dem bisher Gehörten. Keine Frage, ob bitter oder süß. Ersteres würde ich sagen. Fakt ist: Auch diese Facette im Sound von Mayfair weiß zu überzeugen.

Welcher Songtitel könnte ein Album besser ausklingen lassen als „Der Abschied“. Und so klingt der Song dann auch. Ruhig aufbauend, mit depressivem, beinahe geflüstertem Gesang. Spärlich instrumentiert liegt der Fokus ganz klar in der dunklen Atmosphäre, die man beim Hören förmlich einatmet.

Ob der letzte Song für Mayfair eine tiefere Bedeutung hat, mag ich nicht zu bewerten. Zu hoffen bleibt, daß dieses Album kein Abschied für immer darstellt, sondern den Neuanfang einer faszinierenden, musikalischen Klangwelt, die man für viele Jahre verlassen hatte.

Natürlich muß man mit avantgardistisch-progressiver Musik etwas anfangen können, um der Musik von Mayfair in der Tiefe folgen zu können und den Wert des Songwritings und der Lyrics zu erkennen.

Ist dies aber der Fall, erlebt man ein Album von erhabener Größe und Schönheit, aber auch von Verstörung und Wehmut.

Kurz um, ein Mayfair Album, wie es sein muß und wie es die alten Fans lieben werden.

Sehr starkes Comeback !!

 


 

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